Auswanderung nach Bulgarien – Interview mit Franz

By Linabgonline | Gäste

Apr 18
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Auswanderung nach Bulgarien - ​der ​Weg von Franz und Susanne

Franz und Susanne, beide Betriebswirte von Beruf, leben in der Nähe von Karlsruhe. Sie sind Jahrgang 1965 und wollen 2025 nach Veselie auswandern.

Veselie liegt südlich von Burgas und ca. 20 Minuten vom Meer entfernt (siehe Karte).

Franz war zum Gespräch über die geplante Auswanderung bereit:

Das Interview

Lina: Warum genau habt ihr euch Bulgarien ausgesucht? War das eurer Wunschland?

Franz: Am Anfang stand eine Anforderungsliste, die wir an unser Auswandererland hatten. Neben Mallorca war auch Italien einer unserer Favoriten. Hätten wir diese Länder gewählt, dann hätten wir bis zu unserem 67zigsten Lebensjahr arbeiten müssen, um unseren Lebensstandard halten zu können. Da wir aber früher aussteigen wollen, hat Bulgarien gesiegt, zumal die Verbraucherpreise ca. 53% niedriger sind als in Deutschland.

In Bulgarien gibt es noch „echte“ Sommer mit täglichem Sonnenschein und das über mehrere Monate hinweg, freundliche Menschen, ein schönes Land mit vielen tollen Sehenswürdigkeiten und etlichen Ausflugsmöglichkeiten. Und vor allem, wir konnten uns dort bezahlbares Eigentum nicht weit vom Meer entfernt leisten.

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​Strand von Burgas (c) Franz

Lina: Das klingt nach ganz schön viel Arbeit. Wie bereitest du dich auf die Auswanderung vor?

Franz: Im ersten Jahr meiner Bulgarien-Recherche habe ich mich im Internet über alles Mögliche schlau gemacht. Durch einen Kontakt über meine Webseite zu Ausgewanderten, die bereits seit 9 Jahren in Bulgarien leben, habe ich nun auch eine Quelle, die uns bei den Detailfragen hilft. Außerdem hat sich eine Freundschaft zu unserer bulgarischen Rechtsanwältin, die uns beim Hauskauf Rechtsbeistand geleistet hat, entwickelt.

Da es ja noch einige Jahre dauert, bis wir tatsächlich auswandern, haben wir noch ausreichend Zeit unser Netzwerk weiter auszubauen und die geplante Schritt-für- Schritt-Auswanderung zu realisieren.

Lina: Du hast deine Website erwähnt. Als Bulgarien-Franz gibst du dort hilfreiche Tipps an zukünftige Auswanderer weiter. Dort hast du auch deine Erfahrungen zu euren Hausbesichtigungen zusammengefasst. Wie schwierig ist es, etwas Geeignetes zu finden?

Franz: Ich kenne jemanden, der hat sich 30 Häuser angeschaut, und der sucht heute noch!

Ich glaube, wir hatten mit unserem Haus einfach nur Glück, da wir uns schon nach der dritten Besichtigung sicher waren, dass es sich um unser Wunschobjekt handelt. Liegt aber auch ein wenig daran, dass wir genau wussten, was wir wollen und was nicht. Da ich die Immobilienangebote aus Bulgarien zuvor schon ca. 9 Monate lang studiert habe, wusste ich, da kommt nichts Besseres für den Preis 🙂

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​Haus in Veselie (c) Franz

Das Thema bulgarische Immobilien ist für mich mittlerweile ein riesiges Thema geworden, weil jeder zweite Kontakt über meine Webseite bulgarien-franz.de Fragen dazu hat.

Lina: Die Haussuche stelle ich mir wirklich nicht einfach vor. Wie viel Kompromisse muss man beim Hauskauf machen? Was bekommt man für welches Budget?

Franz: Ich beobachte den Immobilienmarkt seit 2016 in den unteren Preisklassen, sagen wir bis 80.000 Euro. Man kann sagen: Die meisten Häuser sind zwar billig, aber auch extrem baufällig, reparaturbedürftig und weit von deutschen Verhältnissen entfernt. Keine Isolierung, feuchte Wände, ein undichtes Dach und der Klassiker: die Toilette ist außerhalb auf dem Gelände. 🙂

Viele wissen auch nicht, dass bulgarische Handwerker nicht mit den Deutschen zu vergleichen sind, was wohl an der (fehlenden) Ausbildung liegt. Hinzu kommt, dass die Materialpreise so teuer sind wie in Deutschland. Wahrscheinlich ein Grund dafür, weshalb die meisten Häuser auf dem Land gar nicht fertig gebaut sind.

Ein Haus habt ihr jetzt. Was ist mit der Sprache?

Lina: Wenn ich mich entscheide, nach Bulgarien auszuwandern: sollte ich die Sprache vorher lernen, oder komme ich auch erst einmal ohne Sprachkenntnisse zurecht?

Franz: Wenn „Ausländer“ nach Deutschland kommen, wollen wir Deutsche, dass die Deutsch lernen. Bis wir auswandern, besitzen wir wenigstens so viel Sprachkenntnisse, dass wir uns im Alltag zurechtfinden und das nötigste kommunizieren können.

Wir haben keinen Druck Bulgarisch zu lernen, weil wir aus unseren bisherigen Urlauben wissen, dass viele Bulgaren auch Englisch und manche sogar etwas Deutsch können.

Lina: Hast du schon mit dem Lernen begonnen?

Franz: Wir waren beide in einem Bulgarischkurs an der VHS in Karlsruhe. Das Kursangebot im Internet ist für diese Sprache sehr mager. Im Gegensatz zu meiner Partnerin, habe ich mit dem Lernen aus Bequemlichkeit aufgehört, will aber 2019 wieder damit anfangen. Ich habe es mir fest vorgenommen. Susanne lernt täglich ihre Lektionen mit einer App und jetzt auch mit deinem Newsletter. 🙂

Lina: Wie schwierig ist es deiner Meinung nach Bulgarisch zu lernen?

Franz: Die Sprache ist nicht einfach zu erlernen, und man muss sich Mühe geben und dran bleiben. Kann man mal das Alphabet, ist man schon einen großen Schritt nach vorne gegangen. Und wenn man dann auch noch weiß, dass alles so geschrieben wird, wie man es ausspricht, sollte man sich schon mal in Bulgarien orientieren können. Ich muss die Sprache nicht perfekt beherrschen, will aber die Basics kennen, etwas verstehen und mich mit den Nachbarn unterhalten können. Und da nicht alle Erst- oder Nothelfer Englisch sprechen, will ich mögliche Situationen wie im Krankheits- oder Notfall ebenfalls bestmöglich meistern können. Es ist noch ein langer Weg bis dahin! 

Lina: Ein langer Weg, das stimmt. Aber euch bleibt ja noch ein bisschen Zeit bis zu eurer Auswanderung. Du hast erwähnt, dass ihr euren Lebensstandard in Bulgarien halten könnt. Wie sieht es denn mit der Lebensweise dort aus? Wird es eine große Umstellung im Vergleich zur deutschen Lebensweise?

Franz: Wir kennen noch zu wenig von der Lebensweise der Bulgaren, um diese Frage zu beantworten. Aber eine Sache sollte jedem Auswanderer klar sein: Andere Länder, andere Sitten!

Unser Ziel ist es, uns bestmöglich den Gegebenheiten anzupassen und uns in die Dorfgemeinschaft einzufügen. Erste Schritte in die richtige Richtung sind schon getan. - Man kennt uns im Dorf. 🙂  

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​Sozopol (c) Franz

Lina: Ich kann mir vorstellen, dass das eine große Erleichterung ist. Es gibt Menschen, die euch kennen und auch ein Auge auf das Haus haben können, wenn ihr nicht da seid. Und ihr wandert nicht in eine komplett fremde Umgebung aus. Wie ist denn die Akzeptanz von Bulgaren gegenüber Deutschen?

Franz: Da kann ich nur Positives von berichten! Egal wo wir waren oder Kontakt zu Bulgaren hatten: die Bulgaren sind den Deutschen offensichtlich sehr wohlgesonnen. Freundlichkeit, Zuvorkommenheit und Hilfsbereitschaft haben wir bisher in jedem unserer Urlaube in Bulgarien erleben dürfen.

Unsere direkten Nachbarn schenken uns immer, wenn wir da sind, irgendwelche Naturalien: Tomaten, Salat, selbstgemachtes Brot, Paprika, Gurken usw. Natürlich schenken wir dann auch was zurück.

Lina: Das klingt alles sehr vielversprechend. Aber du lässt doch sicherlich Familie und Freunde zurück.

Franz: Wir haben keine Kinder, hinterlassen aber trotzdem Familie. Für die ist es zum Glück unwesentlich, ob wir hier oder dort wohnen, weil Sie wissen, dass jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist und in unserem Alter jeder sein eigenes Leben leben muss.

Lina: Und was bietet dir Bulgarien, was du in Deutschland nicht hast?

Franz: Bulgarien bietet uns die Möglichkeit, endlich weg vom Perfektions-Streben, Schnelllebigkeit und zurück zu mehr Menschlichkeit, Natur und Freiheit zu kommen. Wir wollen einfach mehr zu uns zurückkehren! Und wir glauben, dass viele Bulgaren trotz relativer Armut zufriedener und ruhiger leben als wir hier in Deutschland. Zumindest ist das unsere bisherige Beobachtung.

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​Pomorie (c) Franz

Lina: Falls es doch nicht das ist, was ihr euch vorgestellt habt: Gibt es einen Plan B fürs Zurückkommen?

Franz: Ich denke nicht, dass wir nach der Auswanderung nochmals nach Deutschland zurückkehren, aber ja, es gibt einen Plan „B“. Sollten wir, egal aus welchen Gründen auch immer, mit irgendetwas in Bulgarien langfristig nicht zurecht kommen, schlagen wir unsere Zelte wieder in Deutschland auf. Hierzu haben wir uns eine kleine Rücklage geschaffen.

Lina: Lieber Franz, ich danke dir für deine Einblicke in eure Auswanderungspläne!

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